Deutscher Geschichtsverein des Posener Landes e.v.

Deutscher Geschichtsverein (DGV)

des Posener Landes e.V.

 

Bad Bevensen, 10.11.2016

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Eine Gedenktafel für D. Karl Greulich (1869-1946)

Textfeld:  Zu Ehren von Pastor D. Karl Greulich konnte am Pfarrhaus der ehemaligen evangelischen Kreuz-kirche in Posen (Poznan) eine Gedenktafel angebracht werden. Gewürdigt wird damit seine Arbeit an dieser Kirche als Pastor, Kirchenmusiker und Gründer des Posener Bachvereins. Die Finanzierung der Tafel wie auch die würdige Feierstunde hat der Deutsche Geschichtsverein (DGV) des Posener Landes e.V. durch-geführt.

Den Anstoß hierzu gab Dr. Karol Górski, damals noch Doktorand der Posener Universität. Er befasste sich im Vorfeld seiner Forschungen mit dem deutschen Theologen und Kirchenmusiker D. Karl Greulich, der während der Zeit 1896-1932 an der ehem. evangelischen Kreuz-kirche in Posen, heute Ko?ció?Wszystkich?wi?tych w Poznaniu,  wirkte. Er nahm deswegen Kontakt zum DGV des Posener Landes e.V. auf und fragte nach der Möglichkeit einer Veröffentlichung seiner Arbeit an. Daraus entstand das Buchprojekt: „Leben und Werk der Posener Theologen D. Paul Blau und D. Karl Greulich“, herausgegeben von Renate Sternel-Rutz in: Beiträge zur Geschichte der Provinz Posen, Bd. 4, 2013. Hieraus entwickelte sich die Idee „Gedenktafel“, die Dr. Górski dem DGV antrug. Der Geschichtsverein griff diesen Gedanken auf  und leitete die Vorverhandlungen mit dem Pfarrer der heutigen Allerheiligenkirche, Dr. Janusz Grze?kowiak , ein.

Am 2. August 2014 war es soweit. Um 10.00 Uhr wurde der Festakt in der Kreuz-kirche mit einem Orgelspiel eingeleitet. Nach den herzlichen Begrüßungsworten des Hausherrn, des katholischen Pfarrers Dr. Grze?kowiak, folgte die Ansprache des deutschen evangelischen Pastors i.R. Günter Arndt aus Halle. Er stellte in seiner Ansprache heraus, dass D. Karl Greulich als Pastor und Kirchenmusiker an dieser Kirche Lobenswertes geleistet hat. Ferner war er es, der entscheidend an der Bearbeitung und Herausgabe des 1927 in den Posener Gemeinden neu eingeführten Posener Gesangbuches gewirkt hat und das kirchliche Musikleben in Posen und der Provinz prägte.

Nach einem gemeinsam gesprochenen „Vaterunser“ in Deutsch und Polnisch, verließen die Einweihungsgäste die Kirche, um den Weiheakt an der Tafel mit der Inschrift: „D. Karl Greulich (1869-1946) – Kirchenmusiker und evangelischer Pastor – Gründer des „Posener Bachvereins – wirkte in Posen in den Jahren 1896-1932“, vorzunehmen. Der Text ist in 3 Sprachen verfasst: Polnisch, Deutsch und Englisch. Frau Renate Sternel-Rutz und Herr Dr. Karol Górski enthüllten feierlich die Tafel.

Nach Rückkehr in die Kirche empfing uns wieder die Orgel mit ihrem gewaltigen Klang.

Der Vorsitzende des DGV, Horst Eckert, begrüßte nun die polnischen und deutschen Gäste und hob das völkerverbindende Wirken von Pastor D. Greulich, besonders auf dem musikalischen Gebiet, hervor. Er dankte der jetzigen katholischen Kirchen-gemeinde für ihr Entgegenkommen und Verständnis – vor allem Herrn Pfarrer Dr. Grzeskowiak - dem Herrn Erzbischof von Posen und dem Posener Denkmalamt für die Genehmigungen, auch dass die Gedenktafel für D. Karl Greulich in einem ökumenischen Festakt geweiht werden konnte.

Unter der Leitung des Vorsitzenden des DGV Horst Eckert war eine größere Gruppe von ehemaligen Bewohnern der Provinz Posen mit dem Bus nach Posen angereist, um an der Feier teilzunehmen und gleichzeitig eine Studienfahrt in die deutsch – polnische Geschichte durchzuführen.

Von der weit verzweigten Familie Greulich konnte der Vorsitzende  fünf Angehörige begrüßen, die zum Festakt nach Posen gekommen waren.

Zum Abschluss seiner Rede überreichte Herr Eckert Pfarrer Dr. Grze?kowiak eine Spende in Höhe von 1.000,-- € (das Ergebnis vieler kleiner Spenden) zur Wieder-instandsetzung der Greulich-Orgel. Diese Orgel hatte seinerzeit Karl Greulich als Zweitorgel einbauen lassen, in Koordination mit der historischen Orgel von 1785. Die Renovierung der Orgel wird ca. 100.000 € kosten.

Anschließend hörten wir in der Kirche zwei Vorträge. Renate Sternel-Rutz/Hamburg referierte über das Thema „Zur Geschichte der Kreuzkirche und ihre Bedeutung für die Evangelischen in Posen“, Dr. Karol Górski/Pozna? „Wer war D. Karl Greulich und seine Bedeutung für die Kirchenmusik in Posen/Pozna?”.

Diese beiden Beiträge zeigten noch einmal die Bedeutung der Kreuzkirche für die Evangelischen in Posen auf und die segensreiche Arbeit von Pastor D. Greulich für das kirchliche Leben in Posen und der Provinz.

Nach abschließenden Worten des Vorsitzenden des DGV, Horst Eckert und einem Reise- und Segensgruß durch Pfarrer Dr. Grze?kowiak, ertönte noch einmal die „Greulich-Orgel“ mit der Toccata d-moll von J.S.Bach, die ganz gewiss zum Orgel-repertoire von D. Karl Greulich gehörte. R.S.-R.

Die Fahrt wurde vom Kulturreferat für Westpreußen- Posener Land-Mittelpolen-Wolhynien und Galizien gefördert (BKM)

 

Lieber Leser dieses Beitrages: Wenn auch Sie eine Spende zum Erhalt der Greulich-Orgel in der Kreuzkirche leisten möchten, würden wir uns sehr freuen. Pfarrer Dr. Grzeskowiak stellte fest: „Wir wissen, dass diese Kirche ein Stück deutsche Kultur ist. Wir würden uns freuen,  wenn Sie uns dabei helfen, sie zu erhalten“.

Ihre Spende können Sie auf das Konto des DGV einzahlen.

Bankverbindung: Deutscher Geschichtsverein (DGV) des Posener Landes e.V.

Sparkasse Uelzen IBAN: DE26 2585 0110 0000 0021 21 – Stichwort: Kreuzkirche -

Auf Wunsch erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

 

Dieser Bericht wird in der Beilage „Weichsel Warthe“ veröffentlicht.

Als der Name „Hauland" auch die Gründung einer Schule einschloss   Wir blättern in 200jährigen Akten des Wollsteiner Pfarramts

 

Wer von uns einstigen Bewohnern des so genannten „Haulandes" in der Pro­vinz Posen die Gelegenheit hat, die alten Ortsnamen einmal Revue passieren zu lassen, stößt unwillkürlich immer wieder auf das Ortskürzel „Hld." (Hau­land). Es ist den jeweiligen Ortsnamen vor- oder nachgesetzt und enthält für die einzelnen Orte zugleich auch ein Stück Ortsgeschichte, wobei die Anfänge der Dorfgeschichte der Hauländer - und später auch ihrer städtischen Ent­wicklung - auf die Zeit um 1700 zurückgehen.

Polen hatte damals in vielen seiner Regionen, vor allem aber in seinen westli­chen Landesteilen, einen akuten Bevölkerungsmangel zu verzeichnen, des­sen tiefere Ursachen sich durch Veränderungen im Landbau, den so genann­ten Nordischen Krieg und der ihm folgenden Pest herleiteten. Ganze Landstri­che verloren damals ihre Bewohner und verwilderten zwangsläufig. Die Grundherren - hier vor allem adlige Bodenbesitzer, Kirche und Starosten - sannen auf Abhilfe, denn das Fehlen von Bauern und Handwerkern brachte für sie natürlich materielle Verluste mit sich. Da polnische Siedler nicht zur Verfü­gung standen, musste man bei den angrenzenden Nachbarn Ausschau halten: Preußen und Österreich waren diejenigen Staaten, in denen man sich für ent­sprechende Werbeaktionen am ehesten Erfolg versprechen konnte. Siedleranwerbung aber hieß, Anreize für einen Bevölkerungszuzug zu schaf­fen. Wirtschaftliche und materielle Vorteile - Privilegien - boten sich dafür an. Landzuerkennungen und wirtschaftliche Freiheiten, weniger Frondienst und religiöse Unabhängigkeit, nicht zuletzt auch die Schaffung eines eigenen Schulwesens wurden von Werbern in den Nachbarländern für Siedlungswil­lige verkündet.

 

.....sämtliche sind lutherisch und sprechen bloß Deutsch"

 

Hier und diesmal wollen wir aus einem gegebenen Anlass - nämlich der Grün­dung eines eigenen deutschen Schulwesens im so genannten „Hauland" der damaligen Provinz Posen vor rund 200 Jahren - einen Blick auf ein weithin fast vergessenes Kapitel deutschen Wirkens und deutscher Schulgeschichte unweit der Netze und Weichsel werfen. Diesen Anlass bietet uns die Auffindung eines alten Schriftstücks mit dem Datum vom 23. November 1794. Es enthält nicht mehr und nicht weniger als die Geschichte der Anfänge und der Entwick­lung der Schulverhältnisse in der Hauländergemeinde „Neu-Tuchorzer Hau­land" (später „Lindenheim"), einer Geschichte, die typisch sein dürfte für alle Hauländergemeinden im Posener Land. Die Aufbewahrung und Wiederent­deckung des vor zwei runden Jahrhunderten angelegten Aktenbündels ver­danken wir einem glücklichen Zufall.

 

Das erste Schriftstück unserer Aktensammlung mit dem Titel „... betreffend die Schule zu Neu-Tuchorzer Hauland" trägt das Datum vom 23. November 1794 und geht nach einer Vorbemerkung über „besondere Umstände", die zur Wahl des bis dahin in Gladen als Schulhalter und Lehrer tätig gewesenen Chri­stian Schütler geführt hätten, zunächst auf dessen besondere Eignung für das ihm angetragene Amt ein. Wir erfahren, dass man von ihm „ein gutes Zeugnis" habe. Er sei - so lesen wir es wörtlich - „in seinem Lebenswandel ordentlich, in seinem Amte pflichtmäßig und treu, im Umgang mit seinem jeden Mitglied der Gemeinde nicht zürnig." So habe man keine Bedenken getragen, „ihn zu Rufen zu uns zu kommen, und bestellen ihn, den gedachten Christian Schütler zu unserer Jugend Lehrer, in der festen Hoffnung, dass er stets treu und durch Lehre und Wandel ein rechtschaffener Mann für uns sein" werde.

Über die Pflichten, die er zu übernehmen habe, erfahren wir: 1. Von Termin Martin bis Marie Verkündigung muss täglich durch sechs Stunden Unterricht gegeben werden, 2. von Marie Verkündigung bis Pfingsten gehen die Kinder von früh um 7 Uhr bis 9 Uhr in die Schule, so dass keines ohne gegründete Ursa­che zurückbleibt, 3. von Pfingsten bis Michaelis wird der Unterricht in die Mit­tagsstunde als in welchem die Kinder frei vom Hüten sind, 4. von Michaelis bis Martin sind die Frühstunden zum Schulhalten bestimmt, 5. so ruft unser Schul­halter auch des Sonntags die Jugend zusammen, um in den heilsamen Wahr­heiten des Christentums zu unterrichten, 6. in allem aber den Rath unseres Pastors zu Wollstein annehmen und befolgen ...

 

Insgesamt wurde die Schule im Jahre des Anstellungsvertrages von vierzehn Knaben und zwanzig Mädchen besucht. Wichtig war in der damaligen Zeit, dass die schulpflichtigen Kinder von den einzelnen Höfen mit Ausnahme der Ferien noch zur Arbeit herangezogen wurden, da man sie bei der Feldbestel­lung benötigte. Die Schulaufsicht wurde zu preußischer Zeit von den Pastoren durchgeführt.

Die mietfreie Wohnung für den Lehrer bzw. auch seine Familie bestand gewöhnlich aus einem bis zu zwei Zimmern in der Schule; hinzu kamen Land- und Gartenzulagen für die Lehrerfamilien. Beim Lehrergehalt wurde fein unterschieden zwischen Kindern, die nur das Lesen oder daneben auch Schreiben lernten; die letzteren mussten sechs polnische Groschen zahlen. (Obwohl Neu-Tuchorz preußisch war, galt noch lange Zeit die polnische Wäh­rung.)

Bei Beerdigungen wurde die Einschränkung gemacht, dass der Lehrer nur das Singen besorgen durfte; kirchliche Amtshandlungen waren für ihn tabu. Dafür gab es den Geistlichen, der ebenfalls seine Gebührenrechnung aufmachte, da Kirchensteuer noch nicht üblich war.

Über den Religionsunterricht im einzelnen war dem Schulhalter vor allem auf­getragen, die Christenlehre aufgrund der königlichen Verordnungen zu ertei­len. Die Schulaufsicht wurde zur preußischen Zeit von den Pastoren durchge­führt; daher auch die Vorschrift, dass sie dem „Rate der Pastoren folgen" müss­ten. Wenn unsere Akte unter Punkt VIII einen „Umgang der Lehrer durch die Gemeinde" festlegt, so ist damit kein Spaziergang gemeint. In einem späteren Vertrag wird dieser Punkt für den Lehrer noch genauer definiert: „... Er darf noch Geld und Sachwerte bei den Wirten einsammeln, weil eben das festgelegte Einkommen kein Auskommen bot. Dieser Vertrag wurde mit dem Gerichtssiegel versehen und von den Angehörigen des Dorf­gerichts bestätigt. Das erinnert uns daran, dass die Hauländergründungen auch die Freiheit erhielten, die „kleine Gerichtsbarkeit" zu regeln. Die Angehö­rigen des Gerichts bildeten auch gleichzeitig den Rat der Gemeinde. Nicht zuletzt mussten auch Schreib- und Vertragsgebühren entrichtete werden. Ein Stempel - angebracht auf diesem starken, nicht gerade blütenweissem Papier - weißt einen Groschen dafür aus. 3 Jahre später hat es bereits 6 gute Gro­schen gekostet.